Auch wenn ich mich bekanntermassen auf grosse, feststehende Messer spezialisiert habe, werde ich oft nach einem "alltagstauglichen" Begleiter für alle Gelegenheiten gefaragt, der möglichst auch die Geldtasche nicht zu sehr belastet.
Deshalb habe ich mal damit begonnen, einige "Messerchen" im unteren preislichen Segment zu testen. Diesmal:
Das CaraCara gibt es in dieser Farbgebung nicht zu kaufen. Ich bin gerade dabei, es ein wenig umzubauen, das soll aber dem Vergleichstest keinen Abbruch tun.
Es handelt sich hier ausschliesslich um meine persönliche Meinung.
Beide Messer gibt es in vielen weiteren Ausführungen. Auch mit anderen Griffmaterialien, etc. .
Ein sehr wichtiger Aspekt an diesen Messern ist, dass man sie angenehm immer dabei haben kann. Und zwar möglichst wörtlich immer, zumindest, wenn man das Haus verlässt. Auch wenn man sich vielleicht nicht vorstellen kann, wozu man ein Messer brauchen könnte, ergeben sich die Anwendungsgebiete von ganz alleine, wenn man es erst einmal dabei hat.
Hier schneidet das Byrd etwas besser ab, da es durch den Stahlgriff sehr schmal ist und kaum aufträgt. So kann man es bequem in eine Hosentasche stecken und bemerkt es wohl nicht mal. Das M16 dagegen ist verhältnismässig dick. In einer engen Jeans kann es da schon mal zu breit werden.
Auch hier würde ich dem Cara Cara den Vorzug geben. Es ist aussergewöhnlich scharf und schneidfreudig. Wenn man es nicht zu grob behandelt, hält sich diese Schärfe auch entsprechend lange. Ausserdem ist die stark gebogene Schneide des Byrd Messers für längere und präzise Schnitte besser geeignet, als die Spear Point des M16.
Dieser Punkt geht für mich klar an das M16-13. Dessen Klinge ist wie geschaffen für das Schneiden durch Holz. Vor allem verzeiht es auch gröberen Gebrauch eher als das Byrd Modell. Die hohe Schärfe und der Hohlschliff des Cara Cara ist hier teilweise sogar von Nachteil, das es nur allzuleicht tief in einen Ast gleitet und dort einfach stecken bleibt. Ausserdem hat CRKT mit der Kombination aus Zytelgriffschalen auf Stahlplatinen einen robusten Griff entwickelt, der sehr angenehm in der Hand liegt. Auch mit Handschuhen, mit feuchten Händen und vor allem im Winter. Hier kann die Version des Cara Cara mit FRN Griff Abhilfe schaffen. Die ist entsprechend dicker und fühlt sich wärmer an. Der schmale Stahlgriff ist eher unangenehm, wenn man fester zupacken muss oder länger arbeitet.
Beide Messer schenken sich nicht viel, wenn es darum geht, dass eine aufgeklappte Klinge wirklich nur mehr zugeht, wenn man es selbst will. Byrd setzt auf den bewährten BackLock, wobei der Auslöser sogar noch etwas im Griff versenkt ist, um auch dann nicht auzulösen, wenn man sehr fest zupackt. Allerdings halte ich das Messer aus Gewohnheit so, dass die Schneide nach unten und die Klinge horizontal liegt, was bei der leichtgängigen Achse dazu führt, dass einem die Klinge genau auf die Finger klopft. Hier sollte man also etwas vorsichtig sein. CRKT verbaut einen Liner Lock Verschluss, der mir persönlich lieber ist. Dass er nicht versehentlich aufgeht, ist zusätzlich eine LAWKS Sicherung montiert, die den Liner fix hinter dem Liner hält. Beide Systeme öffnen nur, wenn man es will (ausser massiver Gewalteinwirkung, natürlich)
Hier sieht man, leider etwas unscharf, die LAWKS Sicherung. Der kleine Knopf oben rechts, in der kleinen Ausbuchtung im Griff.
Wenn man ein Messer mithat, sollte es auch schnell bei der Hand sein. Deshalb sind Beide auch einhändig zu öffnen. Das Byrd hat das markante Loch in der Klinge, das wohl an ein Vogelauge erinnern soll. Damit ist es einigermassen bequem aufzubekommen. Am M16 sind sowohl "Thumbstuds" also kleine Bolzen, mit denen man die Klinge mit dem Daumen öffnen kann, als auch ein "Carson Flipper", ein kleiner Hebel, der im geschlossenen Zustand aus der Rückseite des Griffes ragt, vorhanden. Mit ein wenig Übung kann man die Klinge mit diesem Flipper aufschnappen lassen und ist damit fast so schnell wie ein Automatikmesser.
Beide Messer sind in sehr unterschiedlicher Ausstattung zu haben. Vom Byrd gibt es Versionen in blankem Stahl, oder mit FRN Griff (glasfaserverstärktes Nylon, fühlt sich wie warmer, rauher Kunststoff an). Zu haben ist das Cara Cara auch noch mit schwarzer Beschichtung, die sich jedoch leider sehr rasch ablöst. Für repräsentative Zwecke oder für wenignutzer ist sicherlich die sehr schlanke Fassung in Ganzstahl sinnvoll. Wer mehr damit arbeiten möchte, sollte die FRN Version nehmen.
Das M16 gibt es in unzähligen Kombinationen. Mit blanker oder beschichter Klinge, Griffen aus Zytel, anodisiertem Aluminium oder Titan, 3 Grössen, Klingenform "modified Tanto" oder Spear Point, mit oder ohne Wellenschliff, AUS4 oder AUS8 Stahl, etc. Hier kann man relativ genau umsetzen, dass der Preis auch die Qualität widerspiegelt. Für den täglichen, einfachen Gebrauch tuts auch die Billigversion, aber Alugriffschalen und Titan-Nitrit Beschichtung sind ein deutliches Gebrauchsplus. Diese Klingen sind dann auch aus AUS8, der auch besser ist. Prinzipiell würde ich eine Spear Point Klinge mit Teilwellenschliff empfehlen.
Eine klare Empfehlung kann ich nicht abgeben. Ich würde jedoch folgendes raten: Wer sein Messer ständig dabei haben möchte, aber nicht genau weiss, dass er es oft braucht, sollte vielleicht ein Cara Cara in Ganzstahl nehmen. Wer öfter mal ein Messer benötigt, z.B. beim Wandern und sich am etwas aggressiveren Aussehen nicht stört, ist vielleicht mit dem M16 besser beraten.
Wer lieber etwas mehr ausgeben möchte, um deutlich mehr Qualität mit den gleichen Vorzügen des Cara Cara zu erwerben, sollte sich dessen Vorbild, das Spyderco Endura 4 ansehen. CRKT hat mit den verschiedenen Varianten des M16 im eigenen Haus genug Alternativen. Interessant wäre hier z.B. das M16-14SF, das bedeutend grösser als das M16-13 ist, ausserdem eine TiNi beschichtete modified Tanto Klinge aus AUS8 in Aluminiumgriffschalen hat.
Ich habe viele Jahre ein M16-13MIL täglich bei mir gehabt und es nie geschont. Ich habe also klar einen Hang zum M16, aber das auch mehr aus der Gewohnheit. Derzeit trage ich folgendes als EDC, also täglich:
Fenix L1D Lampe, Spyderco Police mit Spyderedge, Extrema Ratio Fulcrum C, Leatherman Wave
Alle diese Messer (und die Lampe) gibt es natürlich in meinem Onlineshop: http://www.extrememesser.com
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