Sie sind hier

Sun Storage 7410

Ich war die letzten Tage sehr, sehr intensiv damit beschäftigt, Tests mit dem 7410 Sun Storage an der Uni durchzuführen. Wer jetzt nicht weiss, worum es dabei geht: Wir brauchen an der Universität eine Möglichkeit, viel Speicherplatz anzubieten. Schon lange ist es in grossen Unternehmen nicht mehr üblich, Server mit grossen Festplatten auszustatten, sondern ein SAN (Storage Area Network) einzusetzen, also eine zentrale Möglichkeit, Teile von einem grossen Speicher abzuzweigen und einzelnen Servern zur Verfügung zu stellen. Von Anwenderseite aus gesehen ist, es so möglich, beliebig grosse Festplatten zu erzeugen und Servern zur Verfügung zu stellen, ohne, dass man wirklich etwas in die Geräte einbauen müsste.

Das 7410 brauchen wir hauptsächlich, um unsere CIFS Fileserver abzulösen, also um Windows PCs Shares zur Verfügung zu stellen, damit unsere User ihre eigenen Daten sicher ablegen können und damit Arbeitsgruppen einen Platz haben, an dem sie gemeinsam ihre Daten sammeln und gemeinsam daran arbeiten können.

Die 7XXX Serie von Sun ist ein ziemlich neuer Ansatz, um Speicherplatz zur Verfügung zu stellen. Bisher bestanden solche Storages aus sehr leistungsfähigen und teuren Bauteilen und stellten ihren Speicherplatz hauptsächlich über Fibre Channel (Glasfaser) Kabel für Server zur Verfügung. Die neuen Sun Storages bestehen aus handelsüblichen Bauteilen, die auch ausserhalb des Storage - Zusammenhanges in Rechenzentren eingesetzt werden. Als Software kommt keine proprietäre Speziallösung zum Einsatz, sondern das frei verfügbare OpenSolaris ( http://www.opensolaris.org/ ) , erweitert um eine ( leider doch ) proprietäre Managementlösung via Webinterface. Theoretisch wäre es sogar möglich, das Storage zu zerlegen und alle Teile einzeln für andere Zwecke zu verwenden. Um performancemeässig die hohen Anforderungen von Rechenzentren erfüllen zu können, werden hybride Storagepools eingesetzt, also grosse Mengen von billigen Festplatten, wie sie sogar in PCs zum Einsatz kommen, kombiniert mit sehr schnellen Caches ( also Zwischenspeichern ) . Alle Schreib- und Leseoperationen landen erstmal in diesen Caches, was ausserordentlich schnell funktioniert, und erst danach werden die verhältnissmässig langsamen Platten angesprochen. So ist es möglich, mit (relativ) billigen Bauteilen ein sehr leistungsfähiges Storage zu erstellen. Hardwaremässig besteht das Storage aus 2 Serverschränken mit je einem Sun Server und je 6 JBODs (sowas wie ein Festplattengehäuse) mit je 24 Festplatten. Die beiden Server verwalten alle Platten und können sie zu ZFS Zpools zusammenfassen, wodurch Daten über alle Platten innerhalb eines solchen Pools verteilt werden können und dabei mehrfach oder mit Wiederherstellungsinformationen gemeinsam abgespeichert werden, sodass ein Ausfall einer Festplatte keine Daten gefährdet. Beim Ausfall eines der Server kann der andere übernehmen, sodass auch hier der Service weiter verwendet werden kann.

Die Tests der letzten Zeit haben ergeben, dass das Storage zwar aufgrund seiner Zusammenstellung immer noch als verhältnismässig "unperformantes" Gerät verkauft wird, es aber durch die angesprochenen Massnahmen so ziemlich alles abhängt, was ich bisher an Speicherlösungen gesehen habe. Die Bedienung ist denkbar einfach. Das Anlegen von Speicherplatz wird durch ein paar Klicks im Webingerface erledigt. Dieser Share ist dann, je nach Wunsch, sofort via NFSv3 und NFSv4 (für Linux und Unix Clients), ebenso wie via CIFS (für Windows PCs) und über FTP, FTPS, WebDAV erreichbar. Genauso einfach können LUNs (so etwas wie virtuelle Festplatten) angelegt werden, die dann via iSCSI oder Fibre Channel angeboten werden. Die Datenübertragungsraten sind enorm und die Features von ZFS können hier auch genutzt werden. Snapshots und Clones von Filesystemen sind einfach, schnell und sparsam erstellt. Die Datensicherheit ist extrem hoch, Filesysteme können komprimiert und dedupliziert werden. ( Deduplizierung bedeutet, dass doppelt vorhandene Daten nur einmal abgespeichert werden und somit Platz gespart wird. ZFS dedupliziert sofort und auf Blockebene ) Mit DTrace gibt das Storage sehr genau Auskunft über die verschiedensten Daten wie Übertragungsgeschwindigkeiten, Belegungen, etc. Damit können Probleme im Netzerk oder Besonderheiten der eigenen Workload sehr genau erfasst und darauf reagiert werden.

Kurz gesagt, ich war schon vorher begeistert, da ich mich auch privat intensiver mit OpenSolaris beschäftigt habe, aber das Storage selbst ist wirklich eine fantastische Sache.

Ein paar Punkte sind mir allerdings negativ aufgefallen:

  • Netzwerkinterfaces können immer nur auf einem Head konfiguriert werden. Im Cluster wandern die Interfaces ja zwischen den Heads, aber private Interfaces können ebenfalls nur auf einem Head verwendet werden. z.B.: Konfiguriert man nge0 auf einem Head als privat, damit es beim Failover nicht mitwandert, wird es auf dem anderen Head deaktiviert und steht nicht mehr zur Verfügung. Das lässt noch schmerzlicher spüren, dass die Heads nicht so viel Platz für zusätzliche Interfaces haben
  • Ein Failover dauert relativ lange, sodass manche Dienste Probleme bekommen können, da die Shares und LUNs zu lange nicht erreichbar sind, als dass Applikationen dies abfangen könnten. Die Failoverzeiten wurden massiv verbessert, aber wir konnten noch nicht verifizieren, dass wichtige Verbindungen davon nicht betroffen sind. Einfache Tests haben ergeben, dass NFS z.B. fast 3 Minuten nicht erreichbar ist. Fibre Channel dagegen wird wohl besser abgefangen.
  • Services (wie NFS, CIFS, etc.) lassen sich nicht auf einzelne Interfaces legen. Bietet man einen Share an, steht er auf allen Interfaces zur Verfügung. Ausgenommen davon sind LUNs.

Diese Einschränkungen sind uns schmerzhaft aufgefallen, da sie unserer Planung im Weg sind, weshalb ich sie hier nenne. Gemäss meiner Art ist alles, über das ich nicht meckere, gut. :-) Bei den Überlegungen zu einer Anschaffung gilt es diese Punkte (ebenso wie ein paar andere) sicherlich zu bedenken. Im Vergleich zu anderen Anbietern steht die 7XXX Serie aber sehr, sehr gut da. Der Preis/Speicherplatz ist hervorragend und die Geschwindigkeit ist eben immens. Die Bedienung ist sehr einfach und sogar intuitiv. Wenn ich an die Probleme anderer Hersteller, wie massive Geschwindigkeitseinbussen ab einer gewissen Füllmenge oder der nachträglichen Deduplizierung einmal am Tag, denke, bin ich verdammt froh, dass unsere Entscheidung auf die Sun Storages gefallen ist.

Weitere Informationen gibt es wie gewohnt bei Oracle Sun und sogar ein Virtual Box Image als Simulator. Wer auch nur das leiseste Interesse an Storages hat oder einfach mal selbst sehen will, wie sowas funktioniert, kann sich den Simulator (natürlich gratis) holen und damit herumspielen. Das lohnt sich auf jeden Fall.

Neuen Kommentar schreiben

Filtered HTML

  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <img> <div> <span> <br>
  • Twitter: #hashtags sind verlinkt auf search.twitter.com.
  • Twitter-style @usernames are linked to their Twitter account pages.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
Mit dem Absenden dieses Formulars, akzeptieren Sie die Datenschutzrichtlinie von Mollom.
Nerd